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Die Scheinträchtigkeit bei der Hündin

Foto: Alexandra Carstens

Gastbeitrag von Anja Kruse

Anja Kruse ist Tierärztin und schreibt einen Fachblog zum Thema Hundegesundheit.
Ich finde ihren Blog VetDogs sehr gut und lese ihn selbst gerne und regelmäßig.
Anja schreibt fachlich fundierte Beiträge die allgemein verständlich sind und eine große Hilfe und Unterstützung für Hundebesitzer sein können, die sich Rat und Hintergrundinfos im Internet einholen möchten.
Dabei ist sie der Naturheilkunde gegenüber absolut aufgeschlossen und wir sind überraschenderweise in vielen Bereichen einer Meinung.
Deshalb hier eine klare Leseempfehlung für ihren tollen Blog, der sich mit meinem wunderbar ergänzt.
Genug der Vorrede, jetzt kommt Anja zu Wort:


Das Wichtigste gleich vorweg: Die Scheinträchtigkeit gehört zum normalen Zyklus dazu

Bei vielen Hündinnen ist es wieder soweit, die Läufigkeit steht an oder ist schon im vollen Gange und somit auch die anschließende Phase der Scheinträchtigkeit oder auch Scheinschwangerschaft genannt.

Ich bekomme immer wieder Nachrichten zu diesem Thema und deshalb gibt es heute einige praktische Tipps, wie du deine Hündin bei der Scheinträchtigkeit unterstützen kannst.


Was ist die Scheinträchtigkeit überhaupt?

Als Scheinträchtigkeit bezeichnet man den Zustand, dass eine nicht-tragende Hündin gegen Ende des Diöstrus Symptome einer Schwangerschaft zeigt. Deshalb wird sie häufig umgangssprachlich auch als Scheinschwangerschaft bezeichnet.
Ausgelöst wird die Scheinträchtigkeit durch die Schwankungen des Hormonspiegels (Progesteron und Prolaktin) während der Brunst.

Da bei jeder Hündin das Hormon Progesteron schon vor dem Eisprung ansteigt und lange erhöht bleibt, egal ob eine Trächtigkeit vorliegt oder nicht, wird jede Hündin nach der Läufigkeit scheinträchtig.
Es ist also ein normales Phänomen und tritt ca. bei einem Viertel aller nicht kastrierten Hündinnen etwa 6-12 Wochen nach der Läufigkeit auf.
Nach ungefähr 2-3 Wochen verschwinden die Symptome in der Regel wieder von alleine. Die Ausprägungen sind von Hündin zu Hündin unterschiedlich.

Gerade Hündinnen kleinerer Rassen zeigen vermehrt Anzeichen einer Scheinschwangerschaft.


Anzeichen einer Scheinträchtigkeit

Die Anzeichen einer Scheinträchtigkeit sind recht typisch:

  • Anschwellen der Gesäugeleiste
  • Ggf. Ausfluss aus den Zitzen (milchig, klar, bräunlich oder gelblich)
  • Ausgeprägtes mütterliches Verhalten
  • Adoptieren von Kuscheltiere, Spielzeug oder anderen Tieren
  • Nestbau-Verhalten
  • Manchmal auch Aggressivität und Depression oder introvertiertes Verhalten


Wie kann ich meine Hündin bei der Scheinträchtigkeit unterstützen?

Generell benötigt eine Hündin keine tierärztliche Unterstützung bei einer Scheinträchtigkeit und die Symptome verschwinden nach etwa 2-3 Wochen wieder von alleine.
Aber du kannst in dieser Zeit deine Hündin unterstützen.

So unterstützt du deine Hündin:

  • Lange, ausgedehnte und abwechslungsreiche Spaziergänge bringen deine Hündin auf andere Gedanken und sorgen für eine Ablenkung.
  • Räume jegliches Spielzeug weg und biete deiner Hündin nicht extra Spielzeug zum Bemuttern an.
  • Wenn deine Hündin schon ein Kuscheltier bemuttert, nimm es ihr nicht weg, da dies zusätzlichen Stress für deine Hündin bedeutet.
  • Denke daran, dass deine Hündin das Verhalten hormonbedingt zeigt und es nicht „böswillig“ macht. Sie kann es auch nicht einfach so abstellen.
  • Das Gesäuge deiner Hündin sollte tabu bleiben. Denn bei Berührungen des Gesäuges, sowie auch beim Belecken der Zitzen durch die Hündin selbst, wird vermehrt Prolaktin ausgeschüttet, das wiederum die Milchausschüttung anregt. Dadurch werden die Symptome der Scheinträchtigkeit verstärkt und verlängert. Wenn deine Hündin dazu neigt, sich stark am Gesäuge zu lecken, solltest du ihr z. B. ein T-Shirt anziehen um sie so daran zu hindern.
  • Ist das Gesäuge bereits geschwollen und warm, kann man z. B. mit Quarkwickeln oder feuchten Tüchern das Gesäuge kühlen. Sollte des damit nicht besser werden, solltest du aber einen Tierarzt aufsuchen.
  • Sobald deine Hündin eine Gesäugeentzündung (Mastitis) bekommt, Fieber entwickelt oder das Verhalten sehr stark beeinträchtigt ist, sollte dein Tierarzt hinzugezogen werden.
  • Wenn die Symptome länger als 2-3 Wochen anhalten, solltest du auch deinen Tierarzt aufsuchen, damit man eventuell mit Medikamenten die Scheinträchtigkeit unterbrechen kann.
  • Es gibt verschiedene homöopathische Präparate, die der Hündin unterstützend verabreicht werden können.


Medikamente gegen die Scheinträchtigkeit

Zumeist wird dafür Galastop® angewendet. Es enthält den Wirkstoff Cabergolin und hemmt durch die Bindung an den Dopaminrezeptoren im Gehirn, die Freisetzung des Hormons Prolaktin. Dadurch führt es zur Rückbildung der Milchdrüse und zum Rückgang der Milchausscheidung.
Galastop® ist in der Regel gut verträglich. Selten können Nebenwirkungen, wie Erbrechen, Appetitlosigkeit und Schläfrigkeit auftreten.

Aber wie oben schon erläutert, handelt es sich bei der Scheinträchtigkeit um einen ganz normalen Vorgang des weiblichen Zyklus und muss in der Regel nicht medikamentös behandelt werden.


Die Scheinträchtigkeit und die eitrige Gebärmutterentzündung

Übringens, wird manchmal behauptet, dass das Auftreten von Scheinträchtigkeiten die gefürchtete eitrige Gebärmutterentzündung, auch Pyometra geannt, begünstigen würde. Dies konnte bislang nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Folglich kann man derzeit keinen Zusammenhang zwischen Verlauf der Scheinträchtigkeit und Pyometra herstellen.
Nichtsdestotrotz sollten alle Hundebesitzer einer intakten Hündin über die gefährliche Erkrankung Bescheid wissen, um im Ernstfall die Symptome richtig zu deuten und sofort den Tierarzt aufsuchen zu können.
In meinem Artikel zur eitrigen Gebärmutterentzündung (Pyometra) erhälst du alle Fakten zu dieser Erkrankung.


Mein Fazit

Da die Scheinträchtigkeit (Scheinschwangerschaft) ein ganz normaler Vorgang innerhalb des Zyklus jeder Hündin darstellt, würde ich mir als Hundebesitzer erstmal keine allzu großen Sorgen machen.
Versuche deine Hündin mit den oben genannten Tipps zu unterstützen und mach dir bewusst, dass sich deine Hündin im völligen Hormonchaos befindet.
Nach 2-3 Wochen sollte jedoch das Gröbste hinter euch liegen. Halten die Anzeichen auch danach noch an oder leidet deine Hündin wirklich massiv, gibt es Möglichkeiten die Scheinträchtigkeit mittels Medikamenten zu beenden.

Ich empfehle jedem Besitzer einer Hündin sich die Daten der Läufigkeit zu notieren, denn so können Unregelmäßigkeiten im Zyklus sehr schnell aufgedeckt werden.
Stellst du an deiner Hündin Anzeichen einer eitrigen Gebärmutterentzündung (hier nachzulesen) fest – eitrigen vaginale Ausfluss, vermehrter Durst, Mattigkeit – suche sofort einen Tierarzt auf. Hierbei handelt es sich um einen Notfall!


Das war es erstmal von Anja.

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